Von der Wartezeit zur Vorbereitungszeit: symptoX im Regelbetrieb in Walsrode
Wie lässt sich die Wartezeit in einer überlasteten Notaufnahme nutzen? Das Heidekreis-Klinikum Walsrode zeigt, wie strukturierte Patientenaufnahme und sprachbasierte Anamnese in den Klinikalltag integriert werden können.
Im Heidekreis-Klinikum Walsrode wird symptoX nach einer mehrmonatigen Testphase in der Zentralen Notaufnahme regulär eingesetzt. Das Beispiel zeigt, wie sich der medizinische Erstkontakt digital vorbereiten lässt, und es zeigt ein Prozessmodell, das auf weitere Kliniken übertragbar ist.
Die Ausgangslage
Die Situation ist typisch für viele Notaufnahmen: viele fußläufige Patienten, hohe Auslastung zu Spitzenzeiten, Sprachbarrieren und ein erheblicher Aufwand für Erfassung und Dokumentation. Während Patienten warten, geschieht medizinisch oft wenig, das Personal ist mit dringlicheren Fällen gebunden.
Der Ablauf
Nach der medizinischen Ersteinschätzung durch das Personal können geeignete Patienten ihre Beschwerden am symptoX HUB selbstständig schildern. Das System führt durch ein strukturiertes Gespräch: Es stellt standardisierte Fragen, lässt freie Beschreibungen zu und fragt bei Bedarf nach.
Die medizinisch relevanten Angaben werden aufbereitet und vor dem nächsten Kontakt bereitgestellt. Die Ärztin oder der Arzt erhält einen vorbereiteten Fall und kann gezielter in Untersuchung und Beurteilung einsteigen.
Von der Erprobung in den Alltag
Die Lösung wurde über mehrere Monate im laufenden Betrieb erprobt und anschließend in den Regelbetrieb überführt. Für geeignete, niedrig dringliche Walk-in-Patienten kommuniziert symptoX einen Prozesszeitvorteil von durchschnittlich rund fünf Minuten je Patient. Dieser Wert bezieht sich auf diese Patientengruppe und den beschriebenen Ablauf.
Was andere Kliniken daraus mitnehmen können
- Die Ersteinschätzung bleibt beim Personal; die digitale Anamnese setzt danach an.
- Ein klarer Kreis geeigneter Patienten erleichtert den Start.
- Die Übergabe an das Behandlungsteam muss im Alltag funktionieren, nicht nur technisch.
- Mehrsprachigkeit ist ein unmittelbarer Nutzen in Häusern mit internationalem Patientenaufkommen.
Einordnung
Walsrode ist ein konkretes Anwendungsbeispiel, nicht der einzige mögliche Einsatzort. Das Prozessmodell lässt sich auf Notaufnahmen und künftige Integrierte Notfallzentren unterschiedlicher Größe übertragen.